, 13. März 2005Familienleben in Afrika

In Afrika heißt Menschsein in der Familie leben

Die Familie in Afrika umfasst drei bis vier Generationen: Großeltern, Eltern mit Kindern, aber auch Onkels und Tanten, Cousins und Cousinen verschienen Grades gehören dazu. In vielen traditionellen afrikanischen Gesellschaften gilt auch die Polygamie, d.h. ein Mann hat mehrere Frauen. Da die Verwandten der Frauen auch in einer Beziehung zur Familie stehen, ergibt sich so eine große Verwandtschaft. Es ist also ein Clan.

Diese Großfamilie ist eine soziale Einheit, d.h. die Menschen leben miteinander nach gemeinsamen Regeln. Sie ist eine wirtschaftliche Einheit, d.h. die Güter (Land und Vieh) sind gemeinschaftlicher Besitz und werden gemeinschaftlich bearbeitet.

„Vom Augenblick seiner Geburt an gehört das Kind praktisch dem gesamten Clan und nicht allein seinen Eltern. Von diesem Kind wird erwartet, dass es für jedermann Dienstleistungen verrichtet, wofür es auch von allen etwas bekommt. Das kleine Kind hütet zusammen mit den anderen Kindern des Clans die Rinder. Später wird es mit anderen Knaben und Mädchen auf den Feldern anderer Leute arbeiten oder fr ein Clan-Mitglied, gleichgültig aus welcher Familie, eine Hütte bauen. Wenn dann das heiratsfähige Alter erreicht wird und sich die Frage der Bezahlung des Brautpreises erhebt, wird der junge Mann nicht zögern, den Heiratsvertrag abzuschließen, mag der eigene Vater auch noch so arm sein, solange er wenigstens einen entfernt verwandten Onkel mit einigem Besitz hat.

Weigert sich der Onkel dann, Rinder zur Bezahlung des Brautpreises herauszugeben, so ist der junge Mann berechtigt, sich diese wegzunehmen, wobei ihm die Stammes- oder Clan-Ältesten helfen werden. Hat der junge Mann jedoch in den vorhergehenden Jahren nicht seine volle Leistung für die Gemeinschaft erbracht, dann hat er von den Clan-Ältesten auch nichts zu erwarten, wenn es ans Heiraten geht. Wann immer er sich in einer Notlage befindet, werden seine Bitten auf taube Ohren stoßen, und die Ältesten werden ihm klarmachen, dass er keine bessere Behandlung erwarten darf, ehe er sich nicht in der Gemeinschaft bewährt.“