, 1. Dezember 2007Brief: Advent 2007

Advent 2007 G.C.
Advent 2000 J.C.

“Vielleicht kommen mir “Sternstunden” nur in der Gestalt des Alltags entgegen.”
(Karl Rahner)

Liebe Verwandte, FreundInnen und Wohltäter!

Bild zum Adventbrief 2007Erneut gibt uns die angebrochene Advents- und Weihnachtszeit Gelegenheit, Ihnen ein Lebenszeichen und ganz herzliche Grüße aus Äthiopien zu senden.

Wie Sie schon an der Datumszeile erkennen können, ist auch in Äthiopien, das die Zeit nach dem Julianischen Kalender rechnet, im September das dritte Jahrtausend angebrochen. In vielen größeren Städten waren diverse Feierlichkeiten zum Schritt ins neue Jahrtausend. Wir in Attat haben mit unseren 162 Angestellten und 28 KrankenpflegeschülerInnen von der Krankenpflegeschule aus Hossana, die regelmäßig für ihre Praktikumszeiten zu uns kommen, ein Fest gefeiert. Gemäß der Gurage Kultur ist ein gutes (und reichlich) Essen, der Schlüssel zum Erfolg einer solchen Einladung.

Die Angestellten hatten sich in Interessengruppen aufgeteilt, und so gab es neben Einkaufs- und Kochgruppen natürlich auch eine Theatergruppe. Am Vorabend des Festes wurden mehrere provisorische Kochstellen aus drei Steinen errichtet, und die ganze Nacht wurde geschnibbelt und gebrutzelt …

Während des Festes wurden langjährige MitarbeiterInnen geehrt. Es gab 23 Personen, die 10-jähriges Jubiläum hatten und 6 konnten auf 25 Jahre Dienst im Attat Krankenhaus zurückschauen. Alle erhielten eine Urkunde und die letztere Gruppe auch noch 300 Birr (30 Euro) Geldgeschenk. Bei solchen Gelegenheiten wird deutlich, dass wir uns auf einen treuen und verlässlichen Stab von Mitarbeitern stützen können. Das ist keine Selbstverständlichkeit für ein „Krankenhaus auf dem Lande“, und ist sicher ein bedeutender Faktor des Erfolges in unserer Arbeit.

Bleiben wir weiter bei den Angestellten. Mitte des Jahres hat die äthiopische Regierung eine neue Gehaltsskala für verschiedene Berufsgruppen u. a. auch für die Mitarbeiter im Gesundheitsbereich eingeführt. Dies führte nach den Verhandlungen mit unserer krankenhauseigenen Gewerkschaft zu einer Lohnsteigerung um ca. 30 %. Die Angleichung der Löhne war dringend notwendig, weil die Lebenshaltungskosten exponential zu wachsen scheinen, aber für uns als Arbeitgeber war das ein drastischer Schritt. Ein Ei kostet z.B. 1 birr (das entspräche dem Kaufwert von 1 Euro bei uns), ein Brötchen 60 Cent, usw. Sie kennen das ja aus eigener Erfahrung in Deutschland.

Es schlagen, wie man so schön sagt, „zwei Seelen in unserer Brust“, auf der einen Seite sehen wir die Schwierigkeiten mit denen die Menschen zu kämpfen haben und sich durchschlagen, auf der anderen Seite sehen wir ein wachsendes Defizit in unserem Haushalt.

Dies führt dann zur wiederholten Diskussion unter uns Schwestern über die Höhe der Eigenbeiträge der Patienten. Auch hier beißt sich die Kathe in den Schwanz. Alles wird teurer, also auch fürs Krankenhaus und deshalb müssten unsere Preise ebenfalls erhöht werden. Erhöhen wir die Preise zu sehr, wie jetzt in dieser schwierigen Zeit, verlieren wir die Klientel für die wir hier sind, arme Landbevölkerung, und nur Leute der Mittelschicht mit Bargeld könnten sich unser Krankenhaus noch leisten. Wir erhöhen also nicht wesentlich und setzen weiterhin auf Gotteshilfe und die Unterstützung guter Menschen.